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"Tiger, tiger, burning bright In the forest of the night" From Tierra del Fuego to Toronto by bus in seven months, rough travel on ancient roads. This travelogue is mostly in German.

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Managua

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Thursday, Jul 22, 2004  19:04

Entry 13 of 21 | show all | print this entry

22.07.04

Im bus habe ich darueber nachgedacht, wie ich die sache mit meinem leben
anstelle. Wenn ich bei IBM bleibe und mich in sachen wirtschaft
spezialisiere, dann kann ich einen haufen schotter machen und obendrein noch
menschen helfen. Wenn ich biologie oder so studiere, dann kann ich
herumabenteuern und werde dafuer auch noch bezahlt. Tja, und wenn ich gar
nichts mache, dann aendert sich eigentlich auch nichts. Ich habe
beschlossen, mir nicht mehr den kopf darueber zu zerbrechen sondern mich
alsbald 120% ig meinem studium zu widmen, um dann zu sehen, was da noch
kommt. Ich mache mir gedanken, aber es ist unnoetig. Wenn ich etwas wirklich
will, dann ist es kein problem. Also wenn ich wirklich ein biologe werden
will, so werde ich eben alle sich im wege befindlichen hindernisse
wegraeumen. Nur eines will ich nicht: ein egoistisches konsumarschloch
werden, so wie ein grossteil der gesellschaft es schon geworden ist.
Die bildung wird mir auch lediglich als mensch im sinne von stellenwert in
der gesellschaft weiterhelfen. Aber als mensch an sich wird sie mich nicht
weiterbringen. Die dinge, die ich sehe, hoere und spuere sind unfassbar und
koennen weder in schrift, bild noch musik ausgedrueckt werden. Obwohl die
musik schon recht nah an die sache herankommt. Es sind energien und kraefte
praesent, die von der bildungs-und konsumwelt ignoriert werden. Das ist auch
gut so, denn wenn mehr leute einfach nur zuhoeren und ihren gefuehlen
glauben schenken wuerden, dann wuerde unsere klaegliche gesellschaft
zusammenbrechen. Eine gesellschaft, in der alles im grunde nur darauf
ausgelegt ist, wachstum zu generieren und verkaufszahlen zu steigern. Dieser
virus hat scheinbar den gesamten erdball infiziert. Es ist der virus der
gruenen billete, des dollar und des reichtums und dem "way of life" im "land
of opportunities".
Alle "opportunities" , die es im universum gibt, tragen wir bereits in uns.
Es liegt an jedem einzelnen selbst, welche moeglichkeiten wahr werden und
welche nicht. Fuer mich wird alles moeglich, wenn ich einfach nur die augen
schliesse und an nichts denke. Welten erheben sich. Dinge spielen sich ab.
Erscheinungen treten hervor. Ich brauche weder kino noch fernsehen, denn
selbst die special effects der "matrix" sind nur schwache bildchen im
vergleich zu dem, was sich in meinem kopf abspielt.
Gestern habe ich mit diego und jan theun den vulkan "la concepcion"
erklommen. Es war ein hoellentrip. Scharfkantige steine ueberall. Drei liter
zu trinken waren bei weitem nicht genug.
Nach fast zehn stunden waren wir wieder im hotel und haben uns noch gut
unterhalten. Er ist so ungefaehr die erste person, die meine ansichten ueber
entwicklungshilfe teilt.es ist nicht unbedingt gut, wenn ein anderes land
interveniert, um einem "entwicklungsland" bei der entwicklung zu helfen. Die
gelder werden fast immer ungleich verteilt und ein grossteil von ihnen
steckt wahrscheinlich in den stahlgeruesten der glasbauten in den
bankenvierteln einer jeden grossstadt in jenen entwicklungslaendern. Oder
das geld steckt hinter jenen spiegelfassaden und arbeitet kraeftig daran,
sich zu vermehren.
Auf der einen seite gibt es die strebsamen studenten, die diesel
markenklammotten von kopf bis fuss tragen und ein stipendium bei
renommierten universitaeten anstreben. Auf der anderen seite gibt es die
jugendlichen im regenwald, die einfach gar nichts haben und mit dem boot 2
bis 5 stunden bis zur schule fahren muessen. Um dann ihr leben doch mit
fischen oder bananenanbau zu verbringen.
Der gruene virus greift um sich und auch die "entwicklungslaender" hat er
schon infiziert. Jeder strebt nur nach seinem persoenlichen reichtum, die
anderen sind uns egal. Was bringen sie uns denn schon? Nun mal wirklich?
Es gibt wahrscheinlich eine menge leute auf der welt, die nichts dagegen
haetten, wenn der AIDS virus die gesamte bevoelkerung afrikas hinraffte.
Damit sie dann eine farm oder kaffeeplantage oder ein luxushotel dort haben
koennen und ungestoert die "natur" des kontinentes geniessen. Wahrscheinlich
ist der ganze kontinent sowieso schon unter grossbanken, grossunternehmen
und superreichen aufgeteilt (alles wird groesser und super). So wie
suedamerika. Und niemand sagt etwas. Die bevoelkerung wehrt sich nicht
eimal. Gib ihnen ein paar dollars, einen fernseher oder eine kettensaege und
sie sind zufrieden.
Ich bin recht froh, dass ich mich nicht dazu entschieden habe, bei einem
sozialen projekt fuer ein jahr oder so mitzuarbeiten. Ich waere
wahrscheinlich vor wahnsinn in irgendeinen abgrund gesprungen und verblutet.
Nein, ich glaube, diese laender muessen ihre probleme selbst loesen. Die
bevoelkerung muss veraenderung wollen. Oder es veraendert sich eben nichts.
Auch gut, wenn nicht die ganze weltbevoelkerung dieses schmarnsystem von
kapitalismus und bildung (die zwei grossen brueder) uebernimmt.


manchmal sind die tage schwer wie blei. so wie heute. am morgen setzte ich
noch mit dem boot von der insel ometepe zum festland ueber. die augen konnte
ich auf dem weiteren weg kaum geoeffnet halten, weil ich so muede war. als
wir nach mehr als drei stunden endlich in managua ankamen, war ich total
kaputt. das sta-travel schild erschien mir wie die rettung in der not.
haette ich genuegend geld, wuerde ich morgen wahrscheinlich in einem
flugzeug nach deutschland sitzen. habe ich aber nicht. so dass ich die
entscheidung, die ich einst getroffen habe, am 23.09. nach hause zu fliegen,
auch ausfuehren muss. viele dinge liegen nicht in meiner hand. es gefaellt
mir hier nicht. es ist heiss, die strassen sind gefaehrlich und voller
armut. ich kann mich nicht fuer die alten steinhaufen interessieren. ich
scheisse auf den strand und das alles. im moment kommt mir deutschland vor
wie das paradies.
Ich muss also bei meiner entscheidung bleiben und mich zusammenreissen. Ich
werde dennoch versuchen, das ticket wenigstens auf anfang bis mitte
september umzubuchen. Toll waere es schon.
Falls nicht, dann eben nicht. Das problem ist einfach, dass die meisten
leute hierherkommen, weil ihnen etwas zu hause nicht passt oder weil sie
dort nicht mehr atmen koennen. Ich bin auch teilweise aus solchen gruenden
losgefahren, aber mittlerweile hat sich diese angelegenheit erledigt.
Ich bin staerker geworden. Viel staerker. Ich habe keinen bock mehr auf
diesen lonely planet touristenscheiss. Aber da muss ich jetzt durch. Auch
wenn ich lieber bei claudi in heidelberg waere oder in schweden am strand.
Wenn ich das jemanden erzaehlen wuerde, so wuerde er mich wahrscheinlich
fuer verrueckt erklaeren. Aber ich wuerde jeden moment skanör gegen die
karibik tauschen. Und claudi gegen zentralamerika.


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