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Managua
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22.07.04
Im bus habe ich darueber nachgedacht, wie ich die sache mit meinem leben anstelle. Wenn ich bei IBM bleibe und mich in sachen wirtschaft spezialisiere, dann kann ich einen haufen schotter machen und obendrein noch menschen helfen. Wenn ich biologie oder so studiere, dann kann ich herumabenteuern und werde dafuer auch noch bezahlt. Tja, und wenn ich gar nichts mache, dann aendert sich eigentlich auch nichts. Ich habe beschlossen, mir nicht mehr den kopf darueber zu zerbrechen sondern mich alsbald 120% ig meinem studium zu widmen, um dann zu sehen, was da noch kommt. Ich mache mir gedanken, aber es ist unnoetig. Wenn ich etwas wirklich will, dann ist es kein problem. Also wenn ich wirklich ein biologe werden will, so werde ich eben alle sich im wege befindlichen hindernisse wegraeumen. Nur eines will ich nicht: ein egoistisches konsumarschloch werden, so wie ein grossteil der gesellschaft es schon geworden ist. Die bildung wird mir auch lediglich als mensch im sinne von stellenwert in der gesellschaft weiterhelfen. Aber als mensch an sich wird sie mich nicht weiterbringen. Die dinge, die ich sehe, hoere und spuere sind unfassbar und koennen weder in schrift, bild noch musik ausgedrueckt werden. Obwohl die musik schon recht nah an die sache herankommt. Es sind energien und kraefte praesent, die von der bildungs-und konsumwelt ignoriert werden. Das ist auch gut so, denn wenn mehr leute einfach nur zuhoeren und ihren gefuehlen glauben schenken wuerden, dann wuerde unsere klaegliche gesellschaft zusammenbrechen. Eine gesellschaft, in der alles im grunde nur darauf ausgelegt ist, wachstum zu generieren und verkaufszahlen zu steigern. Dieser virus hat scheinbar den gesamten erdball infiziert. Es ist der virus der gruenen billete, des dollar und des reichtums und dem "way of life" im "land of opportunities". Alle "opportunities" , die es im universum gibt, tragen wir bereits in uns. Es liegt an jedem einzelnen selbst, welche moeglichkeiten wahr werden und welche nicht. Fuer mich wird alles moeglich, wenn ich einfach nur die augen schliesse und an nichts denke. Welten erheben sich. Dinge spielen sich ab. Erscheinungen treten hervor. Ich brauche weder kino noch fernsehen, denn selbst die special effects der "matrix" sind nur schwache bildchen im vergleich zu dem, was sich in meinem kopf abspielt. Gestern habe ich mit diego und jan theun den vulkan "la concepcion" erklommen. Es war ein hoellentrip. Scharfkantige steine ueberall. Drei liter zu trinken waren bei weitem nicht genug. Nach fast zehn stunden waren wir wieder im hotel und haben uns noch gut unterhalten. Er ist so ungefaehr die erste person, die meine ansichten ueber entwicklungshilfe teilt.es ist nicht unbedingt gut, wenn ein anderes land interveniert, um einem "entwicklungsland" bei der entwicklung zu helfen. Die gelder werden fast immer ungleich verteilt und ein grossteil von ihnen steckt wahrscheinlich in den stahlgeruesten der glasbauten in den bankenvierteln einer jeden grossstadt in jenen entwicklungslaendern. Oder das geld steckt hinter jenen spiegelfassaden und arbeitet kraeftig daran, sich zu vermehren. Auf der einen seite gibt es die strebsamen studenten, die diesel markenklammotten von kopf bis fuss tragen und ein stipendium bei renommierten universitaeten anstreben. Auf der anderen seite gibt es die jugendlichen im regenwald, die einfach gar nichts haben und mit dem boot 2 bis 5 stunden bis zur schule fahren muessen. Um dann ihr leben doch mit fischen oder bananenanbau zu verbringen. Der gruene virus greift um sich und auch die "entwicklungslaender" hat er schon infiziert. Jeder strebt nur nach seinem persoenlichen reichtum, die anderen sind uns egal. Was bringen sie uns denn schon? Nun mal wirklich? Es gibt wahrscheinlich eine menge leute auf der welt, die nichts dagegen haetten, wenn der AIDS virus die gesamte bevoelkerung afrikas hinraffte. Damit sie dann eine farm oder kaffeeplantage oder ein luxushotel dort haben koennen und ungestoert die "natur" des kontinentes geniessen. Wahrscheinlich ist der ganze kontinent sowieso schon unter grossbanken, grossunternehmen und superreichen aufgeteilt (alles wird groesser und super). So wie suedamerika. Und niemand sagt etwas. Die bevoelkerung wehrt sich nicht eimal. Gib ihnen ein paar dollars, einen fernseher oder eine kettensaege und sie sind zufrieden. Ich bin recht froh, dass ich mich nicht dazu entschieden habe, bei einem sozialen projekt fuer ein jahr oder so mitzuarbeiten. Ich waere wahrscheinlich vor wahnsinn in irgendeinen abgrund gesprungen und verblutet. Nein, ich glaube, diese laender muessen ihre probleme selbst loesen. Die bevoelkerung muss veraenderung wollen. Oder es veraendert sich eben nichts. Auch gut, wenn nicht die ganze weltbevoelkerung dieses schmarnsystem von kapitalismus und bildung (die zwei grossen brueder) uebernimmt.
manchmal sind die tage schwer wie blei. so wie heute. am morgen setzte ich noch mit dem boot von der insel ometepe zum festland ueber. die augen konnte ich auf dem weiteren weg kaum geoeffnet halten, weil ich so muede war. als wir nach mehr als drei stunden endlich in managua ankamen, war ich total kaputt. das sta-travel schild erschien mir wie die rettung in der not. haette ich genuegend geld, wuerde ich morgen wahrscheinlich in einem flugzeug nach deutschland sitzen. habe ich aber nicht. so dass ich die entscheidung, die ich einst getroffen habe, am 23.09. nach hause zu fliegen, auch ausfuehren muss. viele dinge liegen nicht in meiner hand. es gefaellt mir hier nicht. es ist heiss, die strassen sind gefaehrlich und voller armut. ich kann mich nicht fuer die alten steinhaufen interessieren. ich scheisse auf den strand und das alles. im moment kommt mir deutschland vor wie das paradies. Ich muss also bei meiner entscheidung bleiben und mich zusammenreissen. Ich werde dennoch versuchen, das ticket wenigstens auf anfang bis mitte september umzubuchen. Toll waere es schon. Falls nicht, dann eben nicht. Das problem ist einfach, dass die meisten leute hierherkommen, weil ihnen etwas zu hause nicht passt oder weil sie dort nicht mehr atmen koennen. Ich bin auch teilweise aus solchen gruenden losgefahren, aber mittlerweile hat sich diese angelegenheit erledigt. Ich bin staerker geworden. Viel staerker. Ich habe keinen bock mehr auf diesen lonely planet touristenscheiss. Aber da muss ich jetzt durch. Auch wenn ich lieber bei claudi in heidelberg waere oder in schweden am strand. Wenn ich das jemanden erzaehlen wuerde, so wuerde er mich wahrscheinlich fuer verrueckt erklaeren. Aber ich wuerde jeden moment skanör gegen die karibik tauschen. Und claudi gegen zentralamerika.
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