Ankunft in Chanti-Mansijsk

Trip Start Feb 20, 2007
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Trip End Feb 25, 2007


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Wednesday, February 21, 2007

Drei Stunden Verspätung, plus zwei Stunden Zeitunterschied. Wir landen um vier Uhr morgens Ortszeit - und draußen ist es minus 38 Grad.
Noch vor zehn Jahren war Chanti-Mansijsk ein kleines Dorf. Heute, dank der Haushalts-Einkommen aus der Ölindustrie ist es eine schicke Stadt geworden. Schick, für die sibirischen Verhältnisse. Der Flughafen ist neu, das Hotel ist neu, der Verkehrsschilder sind neu, das Einkaufszentrum auf dem zentralen Platz der Stadt ist neu - und in fast jedem Neubau steckt ein blauer Turm, eine Pyramide, die wohl das traditionelle Zelt der Ur-Völker dieser Gegend symbolisieren soll.
Wir sind in einem Hotel am Rande der Stadt, in einem (ebenso neuen) Biathlon-Zentrum, fast im Wald. Auch diese Anlage ist neu, der Gouverneur des Bezirkes möchte die Stadt zu einem Sport- und Kulturzentrum Westsibiriens machen, damit die Beamten sich nicht langweilen. Denn außer Beamten gibt es in der Stadt nichts, keine Ölarbeiter und das nächste Ölfeld liegt zwei Autostunden von hier. Chanti-Mansijsk ist eine Kunststadt, aufgebaut mitten im Nichts, an Stelle einer kleinen Siedlung.
Die Gebietsverwaltung verwaltet aber riesige Geldströme der Ölindustrie - und macht sich gemütlich. Mal ein Filmfestival, mal ein Biathlon-Wettbewerb, deutsches Fernsehen überträgt live. Mal ein neues Sportzentrum da, mal ein neues Kino dort. Die Menschen in der Nachbarstadt Surgut, vier Autostunden von hier, nennen Chanti-Mansijsk ein "Potemkin Dorf.
In dem Gästebuch unseres Hotels schreiben Besucher aus Westsibirien ihre Begeisterung nieder. Bushaltestelle
Bushaltestelle
"Ich bin geschockt, dichtet ein Vertreter des Folklore-Ensembles "Schritt in die Zukunft" - "Wir waren in einem Traum". Mit dem "Traum" meint er unser Hotel, mit viel zu kurzen und schmalen Betten, mit MTV im Fernsehen und mit einem Frühstücksbuffet, der eher an ein fettes russisches Abendessen erinnert, mit Mayonnaise-Salaten und sogar einer Fischsuppe.

Kaum eine Stunden geschlafen, flitzen wir zum ersten Termin - das Interview mit dem Gouverneur. Sein Pressesprecher trägt eine ranglose Brille, einen schwarzen Anzug und Cowboy-Stiefel dazu. Das Arbeitszimmer des Gouverneurs ist eine Ansammlung von teueren Geschmacklosigkeiten, mit Aquarium.
Der Gouverneur verwaltet das Bezirk seit 1989. Er trägt einen braunen Anzug und eine Krawatte aus den 70er Jahren.
Der Gouverneur sagt, der autonome Bezirk stehe auf dem Platz drei in der Welt, gemessen an der Ölförderung. Und auf die Frage, ob Deutschland von den hiesigen Lieferungen energie-abhängig ist, sagt er bescheiden: "Ja.
Der autonome Bezirk ist groß wie Frankreich, hier leben 1,5 Mio. Menschen und hier werden 7,5 Prozent des gesamten Öls gefördert, weltweit gemessen. Die Vereinigten Arabische Emirate fördern dreimal weniger.
17 Prozent der Einnahmen des russischen Staatshaushalts kommen von hier, sagt der Gouverneur. Das Putin-Portrait in seinem Zimmer hängt schief.

Den Nachmittag verbringen wir mit Besichtigungen von den neuen Kultur- und Sportanlagen der Stadt, alles sehr neu und schickt. Die letzte Station ist ein Zentrum für "Begabte Kinder des Nordens", wo Schulkinder tanzen, singen und Musikinstrumenten spielen lernen. Alles ist genau so teuer und neu. Der Direktor des Zentrums, ein ausgebildeter Harmonika-Spieler, hat auch ein Aquarium im Zimmer - und kein einziges Bild an der Wand.
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