Seehundjagd in der Beringstrasse
Trip Start
Jun 21, 1997
1
3
Trip End
Oct 10, 1997
Im Verlauf des Gesprächs erfuhren wir, dass die Leute gerade zur Seelöwenjagd aufs Meer hinaus fahren wollten. Wir hatten schon zuvor einiges darüber erfahren, selbst jedoch noch nie an einer Jagd teilgenommen. Auf unsere Anfrage hin, ob noch Platz im Boot sei, erwiderten sie, dass sie uns natürlich gerne mitnehmen würden und dass genügend Platz für alle vorhanden sei. Ich ging darauf hin zum Einkaufsladen, um uns für die ein paar Stunden dauernde Fahrt mit Verpflegung auszustatten. Dabei hatte ich Gelegenheit, das Dorf ein wenig genauer zu betrachten. Die Häuser standen alle auf hohen Stelzen, denn der Boden ist ausserordentlich sumpfig und wird wahrscheinlich auch regelmässig überschwemmt. Überall befanden sich kleine Weiher und gleich hinter dem Dorf erstreckt sich ein grösserer See. Selbst hier schienen Land und Wasser ohne feste Grenze ineinander zu verfliessen. Bewegen konnte man sich nur auf Holzstegen, die anstelle von Strassen das Dorf durchzogen.
Uns beiden, die wir an das gemächliche Tempo des Kanus gewöhnt waren, kam die Fahrt im Motorboot ungeheuer schnell vor. Ein eisiger Wind versuchte überall in unsere warmen Jacken einzudringen, so dass die Kragen bald hinaufgeklappt und die Mützen tiefer ins Gesicht gezogen wurden. Josie steuerte auf Anweisung ihres Mannes das Boot sicher zwischen tückischen Sandbänken und Untiefen hindurch, obwohl davon an der Oberfläche nichts zu sehen war. Und auch wenn sich Paul hier bestens auskennen musste blieb es für uns ein Rätsel, wie er den genauen Weg fand.
Als wir schliesslich die letzte Insel hinter uns liessen (Flat Island - wie schon der Name sagt, total flach) und das offene Meer erreichten, hiess uns Paul Ausschau halten nach Seelöwen. Das Meer war ziemlich ruhig, doch ständig täuschten mir die Wellen etwas vor und liessen mich für einen Moment glauben, den Kopf eines Seelöwen erspäht zu haben
Trotz der zahlreichen suchenden Augenpaare hatten wir nach über einer Stunde, abgesehen von ein paar kreischenden Möven, noch kein Lebewesen entdeckt. So legten wir erst eine Pause ein und Paul zeigte uns, wie man den leichten Speer mit Hilfe der Speerschleuder erstaunlich weit und präzise werfen konnte. Natürlich endeten unsere Versuche ziemlich kläglich und hätten wahrscheinlich niemals dazu gereicht, ein Tier zu treffen.
Am Himmel verdichteten sich die Wolken zusehends und schon bald hielt eine Regenwand direkt auf uns zu. Wir fuhren schleunigst zu einer kleinen Hütte, die auf Flat Island einsam dem stetigen Wind trotzte und uns Schutz vor dem kurz darauf einsetzenden Regen gewährte.
Obwohl es in der Hütte eng und kalt war, wurde es uns keine Minute langweilig. Alle wussten genügend unterhaltsame Begebenheiten zu berichten, bis kurze Zeit später der Regenschauer schon wieder vorüber war. Paul zeigte uns nach einem kurzen Wettschiessen, wie man aus einer leeren Schrotpatrone eine Gänselockpfeife basteln konnte und blies diese so meisterhaft, dass sogar wir das Geräusch nicht von einem echten Gänseschwarm zu unterscheiden vermocht hätten, obwohl wir es in den letzten Wochen zur Genüge gehört hatten.
Als die Vorführung beendet war, stiegen alle wieder ins Boot und wir versuchten unser Glück erneut. Diesmal fuhren wir nicht mehr aufs offene Meer hinaus, sondern umrundeten die ganze Insel in sicherer Entfernung
Als dann die Dämmerung hereinbrach, schob sich Josie eine letzte Prise Kautabak hinter die Oberlippe, spuckte ein paar Mal kräftig über Bord und nahm schliesslich wieder Kurs auf Sheldon Point. Der Motor heulte auf und brachte uns schnell in richtung Ziel. Gut zu wissen, dass sie den Weg genauestens kannten, denn wir hätten uns hier bestimmt gleich verirrt, da einem die flachen und völlig öden Inseln überhaupt keine Anhaltspunkte boten.
Während der Fahrt amüsierte ich mich damit, Paul und seine Frau zu beobachten wie sie sich mit Gesten unterhielten, denn der Wind verunmöglichte jedes Gespräch.
Es begann schon zu dunkeln, als wir durchfroren wieder in Sheldon Point ankamen, erfüllt von dem was wir gesehen und von diesen Leuten gelernt hatten. Dass wir während der ganzen Fahrt keinen Seelöwen zu Gesicht bekommen hatten, schien niemandem etwas auszumachen.
01 - Seehundjagd
Kurze Zeit später waren auch die Andern zur Abfahrt bereit. Dazu zählten Paul und seine Frau Josie, die aus Alakanuk stammten, jedoch oft zur Sealjagd nach Sheldon Point hinunter fuhren, sowie ein Bruder Pauls und ihr etwa fünfjähriger Sohn. Die beiden Brüder waren getrennt aufgewachsen und hatten erst kürzlich von der Existenz des Anderen erfahren. Deshalb war der Eine aus New York extra hierher geflogen, um seinen Bruder kennen zu lernen, und nahm nun ebenfalls zum ersten Mal an einer Jagd teil.Uns beiden, die wir an das gemächliche Tempo des Kanus gewöhnt waren, kam die Fahrt im Motorboot ungeheuer schnell vor. Ein eisiger Wind versuchte überall in unsere warmen Jacken einzudringen, so dass die Kragen bald hinaufgeklappt und die Mützen tiefer ins Gesicht gezogen wurden. Josie steuerte auf Anweisung ihres Mannes das Boot sicher zwischen tückischen Sandbänken und Untiefen hindurch, obwohl davon an der Oberfläche nichts zu sehen war. Und auch wenn sich Paul hier bestens auskennen musste blieb es für uns ein Rätsel, wie er den genauen Weg fand.
Als wir schliesslich die letzte Insel hinter uns liessen (Flat Island - wie schon der Name sagt, total flach) und das offene Meer erreichten, hiess uns Paul Ausschau halten nach Seelöwen. Das Meer war ziemlich ruhig, doch ständig täuschten mir die Wellen etwas vor und liessen mich für einen Moment glauben, den Kopf eines Seelöwen erspäht zu haben
02 - Speerspitze
. Die einsetzende Flut liess das Wasser schnell steigen, und mit ihr hätten auch die Tiere, die gewöhnlich den Fischen nachziehen, in Landnähe kommen sollen. Sogar Belugas, Weisswale, liessen sich hier manchmal blicken, was natürlich ein zusätzlicher Ansporn war, die endlos erscheinende Wasserfläche mit den Augen genauestens abzusuchen.Trotz der zahlreichen suchenden Augenpaare hatten wir nach über einer Stunde, abgesehen von ein paar kreischenden Möven, noch kein Lebewesen entdeckt. So legten wir erst eine Pause ein und Paul zeigte uns, wie man den leichten Speer mit Hilfe der Speerschleuder erstaunlich weit und präzise werfen konnte. Natürlich endeten unsere Versuche ziemlich kläglich und hätten wahrscheinlich niemals dazu gereicht, ein Tier zu treffen.
Am Himmel verdichteten sich die Wolken zusehends und schon bald hielt eine Regenwand direkt auf uns zu. Wir fuhren schleunigst zu einer kleinen Hütte, die auf Flat Island einsam dem stetigen Wind trotzte und uns Schutz vor dem kurz darauf einsetzenden Regen gewährte.
Obwohl es in der Hütte eng und kalt war, wurde es uns keine Minute langweilig. Alle wussten genügend unterhaltsame Begebenheiten zu berichten, bis kurze Zeit später der Regenschauer schon wieder vorüber war. Paul zeigte uns nach einem kurzen Wettschiessen, wie man aus einer leeren Schrotpatrone eine Gänselockpfeife basteln konnte und blies diese so meisterhaft, dass sogar wir das Geräusch nicht von einem echten Gänseschwarm zu unterscheiden vermocht hätten, obwohl wir es in den letzten Wochen zur Genüge gehört hatten.
Als die Vorführung beendet war, stiegen alle wieder ins Boot und wir versuchten unser Glück erneut. Diesmal fuhren wir nicht mehr aufs offene Meer hinaus, sondern umrundeten die ganze Insel in sicherer Entfernung
03 - Speerschleuder
. Die Sonne neigte sich schon dem Horizont zu, und die dramatischen Wolkengebilde leuchteten in allen möglichen Farben. Alle starrten schweigend aufs Wasser hinaus, wohl mehr mit sich und dem überwältigenden Sonnenuntergang als der erfolglosen Suche beschäftigt.Als dann die Dämmerung hereinbrach, schob sich Josie eine letzte Prise Kautabak hinter die Oberlippe, spuckte ein paar Mal kräftig über Bord und nahm schliesslich wieder Kurs auf Sheldon Point. Der Motor heulte auf und brachte uns schnell in richtung Ziel. Gut zu wissen, dass sie den Weg genauestens kannten, denn wir hätten uns hier bestimmt gleich verirrt, da einem die flachen und völlig öden Inseln überhaupt keine Anhaltspunkte boten.
Während der Fahrt amüsierte ich mich damit, Paul und seine Frau zu beobachten wie sie sich mit Gesten unterhielten, denn der Wind verunmöglichte jedes Gespräch.
Es begann schon zu dunkeln, als wir durchfroren wieder in Sheldon Point ankamen, erfüllt von dem was wir gesehen und von diesen Leuten gelernt hatten. Dass wir während der ganzen Fahrt keinen Seelöwen zu Gesicht bekommen hatten, schien niemandem etwas auszumachen.


