Heimfahrt

Trip Start Oct 24, 2004
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Trip End Nov 15, 2004


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Flag of Switzerland  ,
Monday, November 15, 2004

Die dunklen, tiefhängenden Wolken über dem Meer verheissen nichts Gutes. Der kräftige Bora, ein typischer Küstenwind an der Adria, lässt die Wellenkämme weiss schäumen. Die Stimmung ist düster, so als wolle es nie richtig Tag werden.
Ich schenke mir eine zweite Tasse Kaffee ein und bediene mich mit einem weiteren Brötchen vom Buffet, in vollem Bewusstsein, dass ich damit gegen die Frühstücksordnung der Jugendherberge verstosse, die überall mahnend angeschlagen ist. Die scheinen nicht gerade an uns körperlich aktiven Menschen gedacht haben, wie sonst erklärt man sich ein Frühstück vor einer langen Tagesetappe bestehend aus gerade mal einer Tasse Kaffee und einem Weissbrötchen...? Doch auch die paar wenigen Austauschstudenten der Uni von Trieste, die offenbar als einzige Gäste nebst mir ein paar Betten der Jugi belegen, kümmern sich herzlich wenig um die gedruckten Ermahnungen, und so beruhigt sich mein schlechtes Gewissen schnell wieder.
Kaum habe ich begonnen, mein Gepäck in den Anhänger und auf das Velo zu verladen, fallen schon die ersten Tropfen und kurz darauf giesst es in Strömen. Doch damit habe ich gerechnet und daher schon die Regenkleider angezogen, so dass ich bald darauf die wunderschön direkt am Meer gelegene Jugendherberge und damit Trieste hinter mir lasse.
Der Wind bläst mir ins Gesicht und mit ihm der kalte Regen, der längst durch meine Handschuhe, Regenkleider und die Wanderschuhe gedrungen ist und mich schnell auskühlt. Ich versuche, nur die allernötigsten Pausen einzulegen und auch diese nur so kurz wie möglich zu halten, da ich sonst gleich richtig zu frieren beginne. 01 - Verona
01 - Verona
Die Fahrt ist enorm eintönig, doch eigentlich stört mich das gar nicht besonders. Meist folge ich einfach der Hauptstrasse richtung Milano, die auf einer Länge von über 300 km praktisch nur geradeaus und ohne die geringste Erhebung verläuft, was etwa drei Tagen auf dem Velo entspricht. Einzige Abwechslung bilden ein paar historische Städte wie Bergamo oder Verona mit seinem eindrücklichen Amphitheater, ansonsten kämpfe ich bloss mit all den Autos und Lastwagen um ein schmales Plätzchen auf der Strasse.
Einen Abstecher nach Venedig kam leider auch nicht in Frage, denn gerade einen Tag vor meiner geplanten Ankunft in der Lagunenstadt las ich in der Zeitung, dass Venedig in Folge der unablässigen Niederschläge und des kräftigen Windes überschwemmt sei und, sofern ich das richtig entzifferte (ich kann eigentlich gar kein Italienisch..!), sogar der Damm vom Festland zur Stadt hinaus unter Wasser sei.

So hindert mich gar nichts mehr daran, auf direktem Kurs richtung Schweiz zu fahren. Erst am dritten Tag lässt der Regen zögerlich nach, und als ich schliesslich den Gardasee und mit ihm wieder den Fuss der Alpen erreiche, kann ich schon die ersten Sonnenstrahlen geniessen.
Die letzten Tage meiner Tour vergehen noch wie im Flug. Das Wetter hat sich dank Nordföhn wieder gebessert, und nur ein heftiger Gegenwind lässt mich die Anstrengungen der letzten Tage noch doppelt spüren. Ich lege seit über zehn Tagen oder seit meinem Aufenthalt in Bozen täglich zwischen 70 und 130 km zurück und besonders die vergangenen Tage im Regen sind jeweils lange und zäh gewesen.
Doch dies ist schnell vergessen als ich den Lago Maggiore erreiche. 02 - Amphitheater
02 - Amphitheater
Bei traumhaftem Wetter sitze ich in einem Gartencafé, schlürfe Espresso und löffle einen grossen Becher Gelati in mich hinein. Der Föhn lässt die Wellen gegen die Ufermauer branden und hoch aufspritzen. In der Ferne leuchten die frisch verschneiten Walliser Alpen in einer unwirklichen Klarheit, fast so als würden sie über dem See schweben.

Nach einer letzten Nacht im Schlafsack an einem winzigen Kiesstrand am See bin ich schon vor Tagesanbruch wieder auf und fahre ausnahmsweise noch in der Dunkelheit los. Ich habe schon die Schweizer Grenze passiert, als die Sonne aufgeht. Bald darauf lege ich in Locarno einen Znünihalt ein, erschrecke richtig ab den helvetischen Preisen für Kaffee und Schoggigipfel, und mache mich deshalb bald wieder auf den Weg. Der letzte Abschnitt meiner Reise steht in Form einer Bergetappe durch das Centovalli vor mir, bevor ich dann in Domodossola in den Zug steigen will. Mittlerweile sind die Pässe längst eingeschneit, und ich verspüre überhaupt keine Lust, mich noch durch den Schnee an den Thunersee zurück zu kämpfen. Viel lieber geniesse ich noch den langen Anstieg durch das wilde und enge Tal, lege unterwegs einige längere Pausen ein um Marroni zu sammeln, und geniesse schliesslich den Anblick der imposanten Südostflanke des Monte Rosa Massivs, als ich die Passhöhe erreiche und mich damit schon wieder auf italienischem Boden befinde. Auch die letzte Abfahrt nach Domodossola hinunter ist eine wahre Freude und hätte gerne noch viel länger sein dürfen...
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