Norok an alle,
3 aufregende Tage sind vorüber.
Am Samstag schwangen sich Radu, sein bester Kumpel Julic "Packard"
und ich ins Auto, und nach ein paar Kilometern kamen noch Packards Freundin Snejana (Snowy Girl) und ihr kleiner Bruder dazu.
Nebenbei hatte ich mitbekommen dass ich bei Packard einziehen werde, zusammen mit Snejana und in einem Zimmer mit seinem Bruder "Corn" Cornel. Die Wohnung habe ich dann Sonntag auch schon gesehen, ich werde Donnerstag dort einziehen, Platz genug ist ja, es ist eine 2raumwohnung. Wir fünf - speziell ich als Fahrer - waren also auf den Straßen Moldawiens unterwegs: Ein herrliches Gefühl, 4 Spuren ohne irgendein Schild oder eine Markierung. Das Geld hat man sich hier gespart um die Löcher in den Straßen bezahlen zu können. Mal ehrlich, kein Auto kann diese Straßen lange überstehen. Besonders nicht in der Nacht, am Tage kann man ja manchen Löchern ausweichen und das Rennspiel ist, die Ideallinie zu finden. Nachts, speziell geblendet vom Fernlicht der Straßenverkehrsteilnehmer vor und hinter einem - man ist ja schon froh dass die überhaupt Licht haben, ist das Rennspiel, nicht von der Straße abzukommen. Wir fuhren also erst zu Packards Eltern in Rotunda, hatten ein traumhaftes Essen, wirklich unglaublich, Beefsteak und Klopse, Götterspeise und gebackene Äpfel, Brot und Torte, Kirschsaft und traumhafter Most und Raciu (Zuckerrübenschnaps) und Cognac - den Most zu kosten habe ich mir zum Glück nicht entgehen lassen, für den Rest hatte ich zum Glück die "sunt la volan" - ich bin der Chauffeur- Ausrede...
Nach dem traumhaften Schmaus fuhren wir weiter bis uns noch 20 km von der ukrainischen Grenze trennte. Dort leben in einem kleinen Dorf Snejanas Großeltern. Die sehr lustige stämmige Großmutter wie aus de Bilderbuch redete eine Weile auf mich ein, wollte nicht verstehen dass ich nicht verstehe. Das wurde durch traumhafte Torte entschädigt: Eierkuchen um Kirschfüllung gerollt, mit Sahne umhüllt. Genial. Der Großvater hatte im Krieg bei Stuttgart einen Zeh verloren, war total freundlich und lächelte die ganze Zeit. Am nächsten Tag war sein 78. Geburtstag. Wir ließen die beiden Enkel bei den Großeltern und setzten Julic bei seinen Eltern ab, dann fuhren wir zu Radu's Großmutter. Sie ist 94 und bettlägerig seit sie vor einem Monat bei der Maisernte hingefallen ist. Die Idee war Radus Mutter, die zu Besuch sein sollte, zu überraschen, vor Ort stellten wir fest daß Mutti krank zu Haus geblieben war.
Wir gingen zeitig zu Bett und ich fühlte mich auf einmal wie eine 94jährige bettlägerige Großmutter: Ich hustete grausam bei jedem Versuch zu atmen, wenn ich mal nicht hustete, hörte ich das Pfeifen beim Luftholen. Und sprechen konnte ich auf einmal auch nicht mehr. Ich nehme an Apfelessen (schlecht für meine Apfelallergie) und Katzenstreicheln (schlecht für meine Katzenhaarallergie) und im-T-Shirt-den-ersten-Schnee-genießen rächten sich. Die einzige Lösung war schnelles Einschlafen.
Am nächsten Morgen gingen Radu und ich klettern. Wir stiegen einen Hügel ganz in der Nähe hinauf, überquerten ein tundraartiges Plateau und kamen zu den Stinci, einem Canyon der den kleinen Fluß Drepcauti einschloß. Eine traumhafte Atmosphäre, unglaubliche Natur, die in jedem anderen Land touristenüberlaufen wäre. Wir kletterten in den Felsen herum und kamen an die nächste Seite des Hügels. Dort war die Aussicht die auf ein Starcraft-Camp - eine Mine in der Gips gewonnen wurde, indem man Kalkstein per Reifenfeuerung brennt, wenn ich das richtig verstanden habe. Die Mine ist illegal, vor einiger Zeit rückte die Regierung samt Armeean, wurde aber von Dörflern mit Mistgabeln und Waffen eingekesselt, der Vizeminister wurde bei einem Gespräch mit dem Dorfführer ins Gesicht geschlagen. Die Natur rächt sich wenigstens ein bisschen: Der Rauch der Reifenverbrennung zieht immer über den Hügel und bleibt als schwarze Wolke direkt über dem Dorf hängen.
Wir gingen durch den Canyon zurück und sahen noch etwas, dass die Touristen vielleicht in den Grand Canyon statt zu den Stinci treibt: Autowracks in einem Fluss, der Müll eines Dorfes, und Halloween war grad vorüber, es waren einige Kürbisse im Eis eingeschlossen. Das Herz blutet.
Zurück im Dorf besuchten wir den Geschichtslehrer der uns unglaubliche Funde zeigte, die er gern ins Netz stellen wollte: Mammutzähne, uralte Speerspitzen, Steinmesser und Keile, dazu ein antiker Ohrring, Kettchen, Tonkrüge, und die Krönung, ein großer Anhänger, ein keltisches Kreuz, mit einer Figur darauf, richtig schön.
Ich fotografierte die ganzen Sachen mit sehr gemischten Gefühlen, weil ich dachte die wollen die Sachen ins Ausland verschachern, aber nachdem ich die CD mit den Fotos übergeben hatte und mir Radu erklärte, das sei gar nicht die Absicht, sondern die Daten zur Bildung ins Netz zu stellen, war ich wirklich erleichtert. Sicher sein kann man nie.
Mittagessen wieder bei Julics Eltern und dann ab in den absoluten Norden, die beiden Enkel abholen. Natürlich fiel mir Großvaters Geburtstag erst Stunden später ein, doch er küßte mich als ich kam dreimal auf die Stirn und wünschte mir Gesundheit, das war echt süß.
Gegen Abend kamen wir bei Radus Mutter in Falesti an, wo wir mal wieder lecker aßen.
Nach 2 Tagen und etwa 500 Kilometern kamen Radu und ich am Sonntag um zwölf in der Kneipe neben unserem Haus an und hatten noch einen Tee mit ein paar Bad Boys aus dem Viertel...
Am Montag war im Fernsehstudio des moldawischen Fernsehens. Zum ultimativen Lacher, zum Sein im Fernsehen selbst fehlte ein Quanten Glück. Ana hatte mit ihrem Forumtheater einen Auftritt in einer Art Talkshow, dort präsentierten sie ihr Projekt. Ihre Schwester war mit der Moderatorin in einer Klasse. Der zweite Quanten zum Glück war die Fehlentscheidung keine Kamera mitzunehmen. Das Studio war der Hammer - Kitsch pur, und die Krönung, die kein Fernseher zeigt und daher kein Fernseher sieht war der Kamerawagen, ein uralter LKW mit Schwenkarmaufbau, bei dem man große Angst bekommen kann. Das Stück war echt niedlich, die Diskussion langweilig, der Geruch von Gas die ganze Zeit in der Nase und ein Bibbern ob der Kälte unvermeidlich. Wenigstens habe ich eine Freundin gefunden, neben mir saß eine Bio-Lehrerin, die mich sofort ins Herz schloß und in den Arm nahm.
Danach hab ich sogar noch ein ganzes Paar Wochenaufgaben bekommen, die ohne Sprach- und Stadtkenntnisse echt schwer zu lösen sind, deshalb schließe ich das Ganze jetzt al mit einer beruhigenden Aussage ab: Ich war total out of Unterwäsche, deshalb ab ich's gestern sogar mal geschafft Sachen zu waschen...Dann bin ch eingeschlafen, wieder aufgewacht und hab sie um zwei aufgehangen. Yeah.
Ciao!
PS: Für die Autofahrer: Seid nie sicher, dass das euch entgegenkommende Motorrad ein Motorrad ist, es könnte auch ein Auto mit nur einem Licht sein. Und es wird nie das rechte Licht fehlen, sondern immer das Linke, also haltet Abstand bei Motorrädern mit Licht im Dunkeln. Sowas gibt es nämlich gar nicht, ein Motorrad hätte gar kein Licht.
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