Japan: Ganbatte

Trip Start Unknown
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29
Trip End Ongoing


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Flag of Japan  , Hokkaido,
Saturday, May 13, 2017

Alltag
„Mama, ich muss jetzt Schluss machen. Ich muss noch einen Schlafplatz finden und es sieht nach Regen aus.“ 
Ich sass vor einem 7/eleven, packte den Laptop wieder ein, trank den Rest schon kalt gewordenen Cafes aus und fuhr los. Wenig später fand ich einen Zeltplatz unter einer Brücke, direkt neben einem Park. Und es regnete tatsaechlich. Nachts tobte der Sturm, wie ich es bisher vielleicht erst dreimal erlebt hatte. Mein Zelt war nass und elendig vollgeschlammt. Der Wind peitschte den Regen fast waagerecht unter der Brücke durch. 
Geschlafen habe ich kaum. Morgens nieselte es nur noch ein wenig. Ich versuchte so gut es ging, den aufgespritzten Schlamm vom Zelt zu wischen. Beim Zusammenpacken stiess ich mir den Kopf so sehr am Stahlgerüst der Brücke, dass es mich fast umgeworfen hätte. Ich fühlte nach. „Oh, man, blutet ja sogar.“ Ich setzte den Helm auf und packte weiter.
Was fuer ein toller Tagesanfang. Ich war schon fix und fertig obwohl ich noch gar nicht losgefahren bin. Zum Glück liess sich die Sonne wieder blicken, zum Glück hatte ich tollen Rückenwind und zum Glück ging es nicht bergauf. Schon früh nachmittags hielt ich Ausschau nach einem Schlafplatz, wollte früh Feierabend machen, weil ich mich den ganzen Tag schon neben der Kappe oder im Radlersprech „neben der Spur“ fühlte. Der Kopfstoss am Morgen hat mich doch mehr mitgenommen. Ich fand keinen Schlafplatz. Am Hafen war es zu stinkig, bei einem Haus wurde ich abgewiesen, eine Wiese zu feucht. Ich war verzweifelt. So schwierig hat sich die Schlafplatzsuche in Japan noch nie gestaltet und ausgerechnet heute. Verdammt. Mir war echt zum Heulen zumute. Und nachdem ich tatsächlich ein paar Tränen vergossen hatte, war plötzlich alles wieder so leicht und schwerelos.

Das Schafparadies
Und dann fand ich einen Schlafplatz. den bisher schönsten in Japan. Auf einer kleinen Schaffarm, bei Nikoko. Ich durfte im Büro schlafen. Inmitten von Spinnrädern, Säcken mit Wolle gefüllt, einem kleinen Holztisch. urgemütlich und warm. 
Am nächsten Morgen regnete es wieder. Ich durfte noch einen Tag bleiben. Und wozu ich weder in Australien noch in Neuseeland mit seinen Millionen und Abermillionen Schafen kam, habe ich in Japan sehen dürfen. Schafe scheren. Ich lernte, ein Schaf einzufangen und es auf den Rücken zu legen. Ich kämmte mich durch einen Sack voller gewaschener Schafwolle und diese eintönige Arbeit hat mir tatsächlich grossen Spass gemacht. Wolle ist fühlt sich einfach toll an. Es gab nur ca. 40 Schafe. Alle hatten sie Namen und sie waren sehr zutraulich. Zwar hatten sie nicht quadratkilometerweiten Auslauf wie in Neuseeland, aber ich glaube sie waren zufriedener als ihre Artgenossen auf der Südhalbkugel, die bei jedem Näherkommen eines menschlichen Wesens in Panik ausgebrochen sind. 

Ich verliess die Küste. 300km Grossbaustelle hatte ich hinter mir. Der Tsunami 2011 hat die gesamte Küstenregion plattgewalzt. Es gab keine grossen, normalen Steinhäuser mehr auf Strandhöhe, stattdessen kleine schnell zusammengezimmerte Häuschen. Etwas höher und weiter im Inland fahre ich durch grosse Neubauviertel. Und dann haben sie mich wieder, die Berge, die einsamen Strassen. 

Ein nicht ganz gewöhnlicher, aber auch kein ganz ungewöhnlicher Tag
Ich wachte auf. Da steht jemand vor meinem Zelt und sagte vielleicht so etwas wie „Guten Morgen“ auf japanisch. Ich oeffenete den Reisverschluss, „Good morning.“
Ein Mann beugte sich herunter zu mir und fragte, ob ich lieber schwarzen Cafe oder einen mit Milch hätte. Ich nahm die heisse Dose Cafe mit Milch. „vielen, vielen Dank.“ Wir unterhielten uns eine Weile: woher, wohin. Er fuhr davon, ich packte zusammen. Er kam zurück und schenkte mir eine Strassenkarte, worüber ich mich sehr freute, denn ich hatte keine von dieser Gegend. 

Ich genoss die einsame und stille Strasse nach dem Dauerlärm an der Küste. Fuhr an kleinen Bauernhöfen vorbei. Die Kirsch- und Pflaumenbäume blühten. Ich hörte, wie jemand mir etwas hinterher rief. Ich hielt an, drehte mich um. Eine Frau kam auf mich zu. Ich fuhr ihr entgegen. Sie schenkte mir eine Dose Cola und eine Packung Schokoladenkugeln. Wir unterhielten uns ein wenig. Sie konnte gut englisch. Sie arbeitete auf einem der Höfe und war sehr an Deutschland interessiert. Wir tauschten emails aus und ich hoffe, ihr irgendwann einmal helfen zu können, wenn sie tatsächlich nach Deutschland kommen sollte.

Nachmittags fragte ich im nächsten Dorf in einem Laden, dem einzig geöffneten, ob ich die Toilette benutzen dürfte. „Klar doch.“ Ich wurde zu einem Cafe eingeladen und wir sassen zu dritt um einen Tisch herum. Die Konversation verlief ein wenig holprig, weil ich ja kein japanisch und die beiden nicht viel Englisch konnten. Ich ass mein Mittagessen und der Ladenbesitzer schenkte mir noch ein kleines Sushipaket. Er bat seine Tochter zu kommen. Shiho lebt seit fünf Jahren in New York und war zu Besuch bei ihren Eltern, ihren kleinen Sohn im Huckepack. Sie luden mich zu sich nach Hause ein und ich durfte zum ersten Mal in einem typischen japanischen Haus übernachten. 

Dreimal wurde mir an diesem Tag etwas geschenkt. Es passiert, dass ich vor einem Convenient Store sitze, und plötzlich drückt mir jemand eine Flasche Wasser, eine Orange oder eine Süßigkeit in die Hand. Es passiert, das plötzlich ein Auto anhält und mir wird wortlos etwas zu trinken oder zu essen gereicht. Die Leute fahren weiter und lassen mich zurück mit ihrem Geschenk und meiner Sprachlosigkeit.

Bei Shiho zuhause
Zwei Zimmer waren fast leer. Der Boden war mit Bastmatten ausgelegt. Die Fenster, mit kleinen Holzrahmen unterteilt und mit Papier bedeckt. 
Die anderen Zimmer, Wohnzimmer und Küche, dagegen waren bombastisch zugestellt und vollgepackt. 
 
Mir fiel der kleine Shintoschrein im Wohnzimmer auf und ich fragte ob sie auch „so etwas“ wie Weihnachten feiern. Shiho guckte mich mit grossen Augen an: „Natürlich feiern wir Weihnachten.“ Und sie zeigte mir den Platz, wo sie den Weihnachtsbaum hinstellen, direkt neben dem Schintoschrein.  Das mag ich, sich das beste aus allen Religionen herauspicken.

Neben Shihos Eltern wohnen auch die Grossmutter und ihre Schwester im Haus. Letztere habe ich nur einmal kurz gesehen, denn auch sie arbeitet und arbeitet den ganzen Tag und die halbe Nacht. Hat zwei Wochen am Stück durchgearbeitet, tippt in irgendeinem Hotel Zahlen in den Computer und als ich am nächsten Tag um die Mittagszeit fuhr, es war ein Samstag, schlief sie noch immer. Die Grossmutter geht nicht ins Bett bevor die Schwester nicht sicher zuhause angekommen ist. Sie sitzt am Wohnzimmertisch und nickt immer wieder ein. Die Mutter arbeitet in einem Kindergarten. Shiho rief sie auf der Arbeit an, um ihr zu sagen, dass sie Besuch hätten. „Ich muss nach Hause, eines meiner Kinder hat Fieber.“

und zum Schluss
Ich werde oft gefragt, warum mache ich das überhaupt, und nun habe ich endlich eine Antwort gefunden die auch mich zufriedenstellt. 
Ich bin losgefahren auf der Suche nach dem grossen Abenteuer und um herauszufinden ob ich das kann. 
Das habe ich nun herausgefunden. Und ich fahre weiter, weil ich mich dabei so lebendig fühle, und weil ich mein Herz wachsen spüre, gefüttert von Liebe und Glück.

People often ask me, why (the hell) am I doing this.
Now I found an answer that also satisfies me:
I started this trip, because I was looking for the big adventure and I wanted to find out if I can do it. 
I finally found it out. I continue because I feel alive, and because I feel my heart growing, feted with love and happiness.
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Comments

Torsten Barkow on

Verfolgen deine intetessanten Berichte regelmäßig und staunen über die schönen Fotos.Wir sind gerade in Patagonien und genießen die traumhafte Landschaft bei Tagestemperaturen um 6 Grad. Weiterhin alles Gute für und viele tolle Erlebnisse. Herzlichst Gitti und Torsten

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