China, der zweite Teil

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Thursday, November 19, 2015

Shangri-la - Lijiang – Dali – Nanjian -Zhenyuan - Pu´er – Menglun - Mohan - LuangNamtha

Ja, es stimmt: Die Chinesen rotzen überall hin („CHCHCHCTVVV“). Ja, sie schmeißen die angenagten Knochen, Servietten, Fischgräten in den Restaurants einfach auf den Fußboden und ja, sie rollen sich das T-Shirt über den Bauch und es sieht häßlich aus. Ja, sie behandeln Tiere grausam, als ob sie Dinge wären und ja, „mei jou“ gibt es
ebenfalls. Man kann es übersetzen mit „gibt es nicht, habe ich nicht, geht nicht“ entweder weil es es tatsächlich nicht gibt, oder nicht geht, oder weil ich gerade keinen Bock habe.
Und ja, es herrscht eine Riesenumweltverschmutzung. Öllachen in den Seen, den Flüssen, Gestank, verbrannter Müll, unverbrannter Müll...Pestizide werden per Hand versprüht, aus einem Kanister, der auf den Rücken geschnallt ist ohne Schutzmaske oder Handschuhe.
Und ja, dieses ständige Gehupe geht unheimlich auf den Keks, aber es bedeutet auch, das mich der Fahrer gesehen hat und mich nicht über den Haufen fahren wird. und ja, Chinesisch ist eine sehr schwere Sprache:
Ich hätte gerne ein wenig chinesisch gekonnt, versuchte einige Wörter zu lernen, zum Bsp. Deutschland oder Toilette. Aber man hat mich einfach nicht verstanden. So blieb es bei „Ni-hau“-“Hallo“ und „Tsche-sche“ - „Danke“. Wenn die Leute mit mir redeten und ich sie nicht
verstand, versuchten sie es zunächst mit LAUTER sprechen, als ob ich schwerhörig wäre. Dann schrieben sie mir das Gesagte auf Chinesisch auf, als ob ich es lesen könnte, und danach fiel ihnen nichts mehr ein. Ja, ich hätte gerne etwas chinesisch gekonnt. Und ja, China ist ein Überwachungsstaat. Jede kleinste Dorfeinfahrt oder Ausfahrt  wird  mit Kameras überwacht, die Fotos von jedem Fahrzeug machen. So lässt sich ein perfektes Bewegungsprofil erstellen. Einmal stand plötzlich ein Polizist in meinem Hotelzimmer, ohne anzuklopfen. Was ich hier mache. Häh? Er fotografierte meinen Paß mit seiner Handykamera, und wollte dann meine Sachen sehen. Ich fragte ihn, was er suchte. „Verbotene Sachen“. Nach der dritten Tasche hatte er genug. „Thank you for the cooperation and have a nice day...“ und wenn ich Probleme hätte, soll ich mich doch an die Polizei wenden. „Ja, vielen Dank auch.“ Eine halbe Stunde später kam er noch einmal und
fotografierte meinen Paß ein zweites Mal, diesmal mit einer anderen Kamera.
Des öfteren wurde ich von Hotels abgewiesen. Nur bestimmte Hotels dürfen Ausländer
aufnehmen. Ich fand es besonders dann nervig, wenn ich abends im Regen hundemüde auf Hotelsuche war, und erst im vierten Hotel ein Bett fand. Oft lief es auch so ab, dass ich an Hotels klopfte, die mit Sicherheit keine Ausländer aufnehmen durften und das Ganze
einfach so umgangen wurde, indem nicht nach dem Pass gefragt wurde.
Und dennoch: Trotz der Schwierigkeiten, die ich in anderen Ländern nicht hatte, (Hotelsuche, Sprache, Mei-You) verbrachte ich die bisher schönste und spannenste Zeit meiner ganzen Reise in China. Fast jeder Tag brachte etwas neues, unvorhergesehenes, sei es dass ich gerade mein veganes Essen verspeiste und neben mir ein Huhn geschlachtet wurde, es noch kopflos ein wenig umherlief bevor es in einem Topf heißen Wasser landete, um es einfacher rupfen zu können; sei es, dass ich eines Abends überraschend auf eine Gruppe Chinesen
auf Urlaub traf, die ihre Zelte am Dorfrand aufgestellt hatten, und wir einen schönen Abend mit Biertrinken verbrachten. Sei es die wunderbare Zeit in „Tibet“ gewesen, das leckere Essen. Sei es das Gefühl gehabt zu haben, nie Angst haben zu müssen. Weder um Charlotte, noch um mich, wenn ich mein Zelt irgendwo sichtbar
aufschlug. Sei es, das Gefühl gehabt zu haben, niemals oder vielleicht nur ganz, ganz selten übers Ohr gehauen worden zu sein.
Nach Shangi-la ging es immer weiter bergab. Von 3300mNN auf knapp 1000mNN. Es wurde immer schwüler, wie in einer Dampfsauna. Es kam mir vor wie 40 Grad und konnte die 25 Grad, die das Thermometer anzeigte, kaum glauben. In Dali fand ich eine deutsche Bäckerei. Brötchen Baguette, Bienenstich, Tiramisu, Eierliqueur-Torte, oh, was für ein Paradies. Der Name dieser Bäckerei machte mich zunächst stutzig: „Bakery 88“. Hat es da einen Nazi ins kommunistische China verschlagen? Nein, es war die Hausnummer und die Zahl 8 ist eine Glückszahl in China. Die Besitzerin lud mich auf Cappuchino und Kuchen ein. Wir hatten uns so viel zu erzählen, doch leider rief dann auch wieder die Arbeit. Vier Tage lang goss es in Strömen. Eine warme Dusche ergoss sich pausenlos über mich. Ich war pitschenass und trug meine Regenjacke lediglich als Windschutz beim Bergabfahren. Die Straßen waren wenig befahren, das ganze Land wird mit neuen Autobahnen durchkreuzt, die entlang der alten Straßen verlaufen. So sammelt sich der Auto- und Lasterverkehr auf den Autobahnen und ich hatte meine Ruhe, teilte mir die Straße mit den Elektrorollern, FußgängerInnen, Kühen, Hühnern, Hunden und Wasserbüffeln.   Es war die Zeit der Mais – und Reisernte, Jung und alt arbeitete auf den Feldern. Ich sah sehr alte Männer und Frauen die Straße entlang gehen, mit einem Riesenkorb voll Mais auf dem Rücken. Ich hätte ihn niemals tragen können.
Am letzten Tag in China suchte ich mir ein Hotel in einer kleinen Stadt kurz vor der Grenze.
Hotel finden geht so: ich suche mir irgendjemanden auf der Straße und frage ihn in Zeichensprache, wo man hier schlafen kann. Meistens bekomme ich dann eine Richtung gezeigt und finde einen schmalen Hauseingang indem ein Tresen steht. Ich frage in Zeichensprache nach dem Preis und es wird ein Taschenrechner herausgerückt, eine Zahl eingetippt, die ich oft noch nach unten „korrigieren“ kann. Auch in diesem letzten Hotel
fragte ich die Frau hinterm Tresen auf dieselbe Weise nach dem Preis, und sie verstand mich nicht. Ich holte mein Portemonnaie raus, wedelte mit einem Geldschein, machte ein fragendes Gesicht. Aber diese Frau verstand immer noch nicht. Vom Friseurladen nebenan kam eine Frau herüber, die alles mit angesehen hatte und übersetzte.

Ich fragte nach Internet, indem ich mein Bildwörterbuch herauskramte und auf das Wifi-zeichen zeigte. Und was tat diese Frau? Sie holte eine Mückenspirale aus der Schublade. Eine Mückenspirale. Ich war voller Fragezeichen. Was hat denn eine Mückenspirale mit Wifi zu tun. Und da fiel der Groschen. Klar, die Form. Mit viel Phantasie sieht das Wifi-zeichen aus, wie eine halbe Mückenspirale. Ich fing an zu lachen. Am Ende bekam ich sogar das Passwort.
Ich verprasselte meine letzten Yuan und investierte in lecker Essen. Am nächsten Tag
ging es auf zur Grenze, ins 15te Land meiner Reise: Laos. Noch 50 km zu  fahren nach Luang Namtha, dort kann ich Charlotte bei René unterstellen, bis ich Anfang Februar von meinem Trip nach Deutschland zurückkehre
und weiterziehe.

Vielen Dank René.
Und vielen Dank ihr Chinesen und Tibeter für die wunderbare Zeit in eurem Land.

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Comments

Melissa on

Hi Heike,
hab die letzten Tage deinen Blog verschlungen, unglaublich was du schon alles erlebt hast, da hab ich richtig Lust mich auch aufs Rad zu setzen und los zu radeln! Hoffe du hattest schöne Tage in Chiang Rai oder hast du es zum Loi Krathong nach Chiang Mai geschafft?
Ich bin froh dich im Bus kennengelernt zu haben, sei stolz auf alles was du geschafft hast!

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