Krakau

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Flag of Poland  , Southern Poland,
Sunday, October 5, 2014

erst auf englisch dann auf deutsch:



Farewell to Germany
I stayed in Berlin for close to two weeks. I enjoyed my time, the
routine which crept in quietly when T. and I were together, sitting
on a city bench, drinking Cola and discussing problems of the world.
Yet I had to travel on and was soon on my way to Goerlitz.

Crossing the border brought on feelings of anxiety and unease. Of polish
people I knew nothing but what I heard from idle talk, and that was
often negative. Just to be on the safe side, I bought quite a load
of groceries so whatever happened to me, at least I wouldn’t go
hungry.

Without a Zloty in my hot little hands I crossed the border into Poland
where, lo and behold, there was no ATM to be seen. I biked on
knowing that somewhere a bank would just have to appear. When I
finally found an ATM, I put my credit card in the slit and nothing
happened. No money, no credit card! The cash machine ate my card!
What it did give me was a receipt with the simple word "Refusal"
on it. It took all my courage to put another card into the ATM and
this time, Zloty appeared and, luckily, so did my credit card.

Gorkau
I needed four days to bicycle to Wroclaw. From there I started the
journey that would take me to Gorkau where my dear Opa was born and
spent his childhood. Gorkau is a very small village with barely 40
houses. I rode up the Dorfstrasse, sat on a bench and imagined my Opa
going to school here and playing with his friends. When I went to
the small village store to ask for a water fill-up someone approached
me and told me that his granny was German. Then he led me to her.

Lenchen 88 years young
When every German citizen left Gorkau to go to Germany after the war
ended, Lenchen was the only one who stayed home and married her
polish sweetheart. She had been in the same class as my Opa and
remembered him well. I called Opa at home and handed the phone to
Lenchen. It was a very happy moment for me when I heard them
reminisce. I spent one night with Lenchen who insisted I sleep in
her marriage bed. There was no question about that and she wouldn’t
take no for an answer.

On to Kraców
Immense flat country surrounded me. Roads are in very good condition. Since
every village has a small family convenience store, I am not worried
about groceries. Weather was favourable and the wind came from the
right side – namely from behind.

One evening I was pressed to find a place for my tent and it was getting
dark. At the next village I approached some locals and with my
picture dictionary, body language and a few words in English they
agreed that I could camp in their back yard. The next morning I
happily accepted their invitation for breakfast. To my big surprise
the women spoke German almost fluently and I learned that here German
is more common than English. Also the village signs are partly
bilingual.

I usually bike no more than 70 km a day, some times less. It gets dark
around 7 pm, and I try to find a camping spot at least an hour before
sunset. In the mornings I do seem to be unable to take off before
9:30 am. I cook my oatmeal breakfast and jazz it up with molten
chocolate, a cut up apple and nuts. It is a precious time prior to
my daily bike ride and I love it. My next break is at lunch time
when I enjoy freshly baked cake, Capuchino and often dinner. For the
evening meal, I eat bread with cheese and tomatoes. And then comes
my favorite time at night when I sit in front of my tent, listen to
nature and think about the day’s events and what lies ahead of me.

When I considered whether I wanted to go to Ausschwitz, I decided against
it, only the concentration camp is located right next to the bike
way. I saw numerous children who were on a school trip and I decided
to stop. Seeing the children took away a little of the horror and
fear that had prevented me from visiting the camp. And with a sad
heart I finally decided to go and see the remains of the gas
chambers.

Kraców
In Kraców I meet Anna who had bicycled alone to the North Cape and a
year later she and 25 others biked to Siberia on a tour that took 2
months. They cycled 150 - 200 km and more on a day. Crazy, but I
admire and like her.

I stay in Kraców for one week. I like the town, reminds me of Berlin.
There are a great number of bars, next to tool, shoe and clothing
stores, churches, benches and parks. Slowly autumn shows its face as
the leaves begin changing colour and falling from the trees. In this
city, if one wants to make progress on the bike, one has to navigate
boldly between cars, pedestrians, bikes and streetcars. I meet
Anna's friends. At night we sit on a mountaintop and look down on
the busy city below us. We toast to life with a couple of drinks
(public drinking is strictly forbidden).

Tomorrow it’s off to the mountains and into winter.
I am curious.

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Tschüss Deutschland


Fast zwei Wochen blieb ich in Berlin, genoss die Zeit, die Rituale, die sich langsam  einschlichen, wie abends mit T. noch einmal vor die Tür zu gehen, und sich irgendwo mit einer Fritz-Cola auf eine Bank zu setzen und weniger über Gott als über die Welt zu reden.Doch mich zog es  weiter und ich fuhr Richtung Müggelsee und dann entlang der Neiße nach Görlitz.

Ich hatte zugegebenerweise Angst, über die Grenze zu gehen, habe vorsichtshalber noch einmal meine Lebensmitteltasche voll aufgefüllt. Ich wusste nicht, was da auf mich zukommen würde, wusste nur, die Polen klauen deutsche Autos, fahren wie die besengten Säue und die
Straßen sind in einem furchtbar schlechten Zustand. Ohne einen Zloty in der Hand fuhr ich über die Grenze und auf der anderen Seite gab es auch keinen Geldautomaten. Nun ja, irgendwann würde ja eine Bank auftauchen. Einen Tag später fuhr ich in eine größere Ortschaft mit mehreren Banken zur Auswahl. Ich steckte die Kreditkarte in den Schlitz und sie kam nicht mehr heraus. Was für ein Schock. Auf der Quittung, die der Automat ausspuckte, stand „Ablehnung“, was mich etwas beruhigte, weil ich so einen Kreditkartenbetrug  ausschließen konnte. Ich nahm allen Mut zusammen und steckte die zweite Kreditkarte in den Automaten. Die Zloty kamen heraus und auch die Kreditkarte. Vier Tage brauchte ich nach Breslau, blieb dort zwei Nächte bei Julen, einem Warmshower-Host. Und machte mich dann auf den Weg nach Gorkau, einem Etappenziel meiner Reise, dem Dorf, indem mein lieber Opa geboren war und seine Kindheit verbracht hatte.

Gorkau
Es ist ein kleines Dorf, kaum 40 Häuser. Ich fuhr die Dorfstraße hinauf, und stellte mir meinen Opa vor, wie er hier zur Schule ging, wie er hier auf der Straße spielte. Ich setzte mich auf eine Bank, nachdem ich ein paar Photos gemacht habe, um noch ein wenig auszuruhen, bevor ich mich weiter auf den Weg machen wollte. Um Wasser aufzufüllen ging ich in den kleinen Dorfladen, als mich plötzlich jemand auf einem Mischmasch zwischen Englisch und Deutsch
ansprach, und dann erzählte, seine Oma sei Deutsche. Er führte mich zu ihr. Lenchen, 88 Jahre alt, und die einzige, die nach dem Krieg, als alle anderen nach Deutschland gingen, zurückblieb und einen Polen geheiratet hatte. Sie ist mit meinem Opa in derselben Klasse gewesen, konnte sich noch gut an ihn erinnern. Ich rief zuhause meinen Opa an, und übergab das Telefon. Ich war so glücklich in dem Moment. Eine Nacht blieb ich bei Lenchen, Ich schlief in ihrem Ehebett, und es half auch keine Diskussion darüber, dass ich auch auf der Wohnzimmercouch schlafen kann.

Weiter nach Krakau

Weites flaches Land umgab mich. Die Straßen sind in einem sehr guten Zustand. Jedes Dorf hat seinen kleinen Tante-Emma-Laden, so dass ich mir keine Gedanken über Essensvorräte machen mußte. Der Wind kam meistens von hinten, das Wetter zeigte sich von seiner
besten Seite. Eines Abends fand ich partout keinen Platz, um mein Zelt versteckt aufstellen zu können. Es wurde schon dunkel, und ich fuhr in das nächste Dorf, zu einem Haus, vor dem zufällig ein paar Leute standen. Mit meinem Bilderwörterbuch und ein paar Worten englisch machte ich verständlich, dass ich hier gerne mein Zelt aufstellen würde und war erleichtert über eine Zusage. Am nächsten Morgen luden sie mich ein, zum Frühstücken ins Haus zu kommen, der Mann sprach zwei Wörter deutsch, und am Ende stellte sich heraus, dass die Frau fast fließend deutsch sprach....Das hätten wir abends zuvor auch einfacher haben können und ich lernte, dass hier mehr deutsch als englisch gesprochen wird. Auch die Dorfschilder waren teilweise zweisprachig.

Ich fahre nicht mehr als 70 km am Tag, teilweise nur knapp 50 km. Um 19:00 Uhr ist es dunkel und spätestens eine Stunde vorher suche ich einen Platz zum schlafen. Morgens komme ich vor 9:30 Uhr nicht los. Ich koche mir gemütlich meinen Frühstücksbrei aus Haferflocken,
verfeinert und aufgepeppt mit geschmolzener Schokolade, einem klein geschnippelten Apfel und Nüssen. Ich lasse mir Zeit. Ich fahre zwei, drei Stunden, mache Halt an einer Cafeteria, und genieße Kuchen und Capuchino oder esse gleich zu Mittag. Abends gibt es meistens Brot mit Käse und Tomaten. Ich genieße die Momente vor dem ins Bett gehen. Sitze vor dem Zelt, horche auf die Rehe und das Geraschel der Feldmäuse und hänge meinen Gedanken nach.

Lange habe ich überlegt, ob ich nach Ausschwitz fahren möchte, und habe mich dagegen entschlossen, doch der Fahrradweg führte direkt an Auschwitz-Birkenau vorbei. Die vielen Schulklassen nahmen dem Ganzen ein kleines Stück des Grauens und so machte ich doch halt, betrachtete die Überreste der Gaskammer, die Rampe an der die Nazis entschieden, wer sofort sterben und wer sich zu Tode arbeiten sollte.

Nun bin ich in Krakau bei Anna untergekommen. Sie ist mit dem Fahrrad alleine zum Nordkap gefahren und ein Jahr später mit einer Gruppe von knapp 25 Leuten innerhalb von zwei Monaten nach Sibirien, 150 - 200 km und mehr am Tag. Verrückt. Ich mag sie.

Krakau

Fast eine Woche bleibe ich in Krakau. Mir gefällt die Stadt. - Wie Berlin, bloß ohne Gentrifizierung. Klar gibt es Unmengen von Kneipen, aber dazwischen finden sich Werkzeugläden, Schuh- und Klamottenläden, Kirchen, kleine Plätze, Parks. Die Blätter fallen so langsam von den Bäumen. Der Herbst kündigt sich an.
Um auf dem Fahrrad hier vorwärts zu kommen, muss man sich selbstbewußt durch den Verkehr und die Straßenbahnen hindurchschlängeln. Ich treffe mich mit Annas Freunden auf einem Berg und wir betrachten die Stadt in der Nacht von oben. Wir trinken heimlich Alkohol. Das ist hier nämlich in der Öffentlichkeit strengstens verboten.

Morgen geht es weiter, den Bergen und dem Winter entgegen.
Ich bin gespannt.
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Comments

Sandra H. on

Schön, dass du wieder schreibst und es dir gut geht. Macht Spass zu lesen. Wusste gar nicht, dass du auch schlesischer Abstammung bist. Alles Gute weiterhin.

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