Ja, er lebt noch!

Trip Start Sep 26, 2008
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Trip End Jul 22, 2009


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Flag of Jordan  ,
Wednesday, April 29, 2009

Sorry fuer die lange Funkstille, es war mal wieder die Technik. Werd im Folgenden mal die letzten Tage durchgehen, dann kommt auch die Erklaerung, warum ich im Grunde eine Woche lang keinen Kontakt zur Aussenwelt hatte.

Sonnenuntergang
Sonnenuntergang
Als ich meinen letzten Eintrag in Amman fertiggeschrieben hatte, gings mit dem Bus quer durch Jordanien in Richtung Sueden nach Akaba. Akaba liegt am Golf von Akaba, der wiederum Teil des Roten Meeres ist, und ist die einzige Hafenstadt Jordaniens. Heute dient der Ort hauptsaechlich dem Tourismus, was man an der ganzen Aufmachung der Stadt sieht: viele Restaurants, noch mehr Palmen, gut in Schuss gehaltene Taxis. Hab davon aber nicht viel gesehn, denn als der Bus nach vier Stunden und drei Polizeisperren mit Gepaeck- und Ausweiskontrolle endlich ankam, stieg ich sofort in ein Taxi um und machte mich auf zu meinem Endziel: Wadi Rum. Doch bevor ich dort ankam, geschah noch die erste mittelgrosse Katastrophe meines Nahostbesuches: Mein MP3-Player hat versagt. Irgendwie schalte ich ihn an, aber er friert gleich am Anfang ein und zeigt endlos lange nur den "Creative"-Bildschirm. Schliesslich muss man die Batterie rausnehmen, um ihn auszuschalten. Nun, wer mich kennt, weiss, dass ich ohne meine Musik ziemlich schnell durchdrehe, und das Schlimmste dabei war auch noch, dass es direkt vor einem vierwoechigen Aufenthalt in der Wueste passiert. Hervorragend also!
Letzten Endes erreichte ich ein kleines Dorf, das einfach nur "Rum" heisst, und sollte dort nach Anweisungen meines Chefs Zedane ueber Telefon mir eine Matraze nehmen und die Nacht dort verbringen. Sein Buero bestand aus einer ziemlich schmucken Empfangshalle und einem kleinen Nebenraum, an dem - tadaaaa!! - ein laufender Computer mit Internetverbindung stand. So konnte ich sofort ueber Google mich nach meinem MP3-Problem erkundigen, doch die Antwort fiel alles andere als ermutigend aus: So wies ausschaut passiert das bei jedem Player von Creative alle ein-zwei Jahre mal. Irgendwie spinnt die Software und kann das Geraet nicht mehr hochfahren. Die einzige Loesung: das Teil formatieren und neue Firmware draufspielen. Das tat ich dann auch, was dann zwar dazu fuehrte, dass das Teil jetzt wieder einwandfrei funktioniert, mein gesamter Kram darauf aber geloescht wurde. Ich war echt kurz vorm heulen.

Tags darauf kam dann Zedane und begruesste mich in Wadi Rum. Zu Zedane sei gesagt, dass er zu den Touris natuerlich nett ist und allerhand Witze macht, aber normalerweise ein recht ernster Typ ist und sein Geschaeft vor alles stellt. Sprich: Wenn du fuer ihn arbeitest, machst du die Arbeit, und solange es etwas zu tun gibt, muss man das machen. Das geht soweit in Ordnung und ist auch alles im Rahmen - er respektiert dich, wenn du dich anstrengst. Hier und da ein persoenliches Wort wuerde dem Kautz aber mal gut tun.
Gleich nach ihm kam auch Emily ins Buero. Emily ist auch Volontaer hier, und das schon seit insgesamt drei Monaten. Sie weiss so ziemlich alles und tut auch die meisten Jobs. Sie kommt aus England und ist im Gegensatz zu Zedane total nett, hat viel Geduld und ist immer fuer nen Scherz gut. Sie hats Zedanes Philosophie mittlerweile komplett intus und sagt mir auch immer, was ich jetzt am besten machen sollte und wann es gut ist, eine Pause einzulegen.

Wadi Rum
Wadi Rum
Am Nachmittag bestiegen wir den Allraeder und gingen ab in die Wueste! Wadi Rum (oder besser gesagt: das Wadi Rum, denn "Wadi" ist das arabische Wort fuer "Tal") ist ein Wuestental im aeussersten Sueden Jordaniens und neben der Felsenstadt Petra die zweitgroesste Touristenattraktion des Landes. Und es ist sehr leicht zu erkennen warum: Die Landschaft hat sowohl klassische Sandduenen, als auch steinige Gebirgszuege zu bieten. Der Grossteil des Gebietes hat einen dramatischen Anblick und ist in seiner Schoenheit schwer zu beschreiben - ich werde demnaechst mal die Bilder fuer sich sprechen lassen. Wadi Rum ist besonders beruehmt, da hier der britische Offizier T.E. Lawrence waehrend des 1. Weltkrieges die Arabische Revolte gegen die Osmanen unterstuetzte und der bekannte Film "Lawrence of Arabia" (1962) hier gedreht wurde. Die ganzen Orte, wo Lawrence gelebt und seine Waffen gelagert hat usw. sind auch die Hauptattaktionen auf den Touren.
Heute dient Wadi Rum einzig dem Tourismus und wurde sogar zum "Protected Area" (geschuetztes Gebiet) ernannt, also sowas wie ein Nationalpark. Hier leben nach wie vor unzaehlige Bedouinen, die ihren Lebensunterhalt mit Wuestentouren und Einmal-in-der-Wueste-uebernachten fuer Reisende verdienen. Zu ihnen gehoert auch Zedane. Sein Camp war das allererste und wurde Anfang der Achtziger dort errichtet, wo es auch heute noch steht: Am wohl besten Ort im ganzen Wadi zum beobachten des Sonnenuntergangs. Das Lager, genannt "Bedouin Meditation Camp", besteht aus sechs Zelten, in denen ingesamt um die fuenfzig Leute Platz finden und wo ich seit gut einer Woche auch lebe. Zwar finde ich es nicht ganz so gut wie das von Zedanes Bruder Ataya gleich nebenan, aber es ist defintiv ein schoener ruhiger Ort, wo sichs aushalten laesst.

Nun zu meiner Arbeit. Es ist im Grunde das gleiche Arrangement wie in Kenia: Jeden Tag ein paar Stunden arbeiten, das Ganze im Gegenzug fuer drei Mahlzeiten am Tag und die Unterkunft. Im Gegensatz zu Kenia gibts hier aber richtig viel zu tun, und das auf drei Orte verteilt. Die Art der Arbeit unterscheidet sich je nachdem, wo mich Zedane oder Emily hinschicken; ich liste das jetzt einfach mal auf...

Das Camp
Das Camp
1) Das Camp
Hier verbringe ich eigentlich die meiste Zeit. Ich stehe morgens um 6 Uhr auf, ess mit den Touris das Fruehstueck, warte bis alle weg sind und mache mich dann an die Arbeit: Erst das Geschirr und sonstigen Kram vom Fruehstueck spuehlen und einraeumen und die Kueche ordentlich putzen. Dann weiter zu den Toiletten und die Dusche, was selbstverstaendlich die leckerste Arbeit von allen ist. Je nach dem, wieviele Leute wir die Nacht ueber hatten, ist auch der Zustand der Klos... Also bis jetzt noch ganz annehmbar, da ich nur einmal mehr als 15 Leute pro Nacht erleben musste. Weiter gehts zu den Zelten, wo ich jedes einzelne Bett ausschuetteln und vom Sand befreien muss. Bei den schweren Decken und bis zu 50 Betten ist das eine ziemliche Knochenarbeit! Und dann kommt noch der sonstige Kram, z.B.den Lagerraum aufraeumen oder den Rest vom Essen zu unserem Kompost geben, an dem sich rund um die Uhr Voegel, Igel und Fuechse bedienen. Dann ist es meistens Mittag, ich ess was und geniess die Stille bei einem Nickerchen oder einem Buch. Irgendwann am spaeten Nachmittag kommt dann das Frischfleisch, dem man die Zelte zeigen, Tee servieren und immer dieselben dummen Fragen beantworten muss. Nach dem Sonnenuntergang - den ich selbst jetzt nach dem achten Mal immer noch unfassbar grandios finde - gibts um 20 Uhr lecker Abendessen. Zum Abschluss noch das Geschirr einsammeln, die Reste wegwerfen und den Kram spuehlen. Irgendwann gegen 23 Uhr gehts ins Bett.

2) Das Buero
Die einfachste aller Arbeiten. Ich fahre morgens mit denen, die abreisen, ins Dorf und beantworte Zedanes E-Mails. Ich organisiere also sein Geschaeft, nehme Reservierungen entgegen und halte sein Facebook-Profil am Laufen. Das ist spaetstens um 10 Uhr beendet und von da an sitze ich nur rum, surfe im Internet oder kaufe im Dorf ein. Spaetestens um 15 Uhr gehts zurueck ins Camp, wo dann das Abendessen usw. folgt.

3) Der Garten
Seit Januar hat Zedane ausserhalb des Wadi-Rum-Areals einen kleinen Garten mit Haus, wo er Baeume eingepflanzt hat und da in zwei bis drei Jahren Oliven, Zwiebeln, Radieschen und derartiges ernten will. Da sich dieser aber mitten in der Wueste befindet, muss man das Gruenzeug mindestens einmal, besser zweimal am Tag kraeftig giessen. Das ist auch eine ziemlich Scheissarbeit, da das Wasser recht langsam aus dem Rohr kommt und man viele kurze Schlaeuche so aneinanderstecken muss, dass daraus ein grosser langer wird. Ab und zu geht dann mal eine Verbindungsstelle auf und man muss hinrennen um das Leck die schliessen. So dauert es gut und gerne drei Stunden, nur um ein paar Baeumchen zu giessen. Weiterer Nachteil des Gartens ist sein Standort etwa zehn Kilometer vom Rum-Dorf entfernt; man muss naemlich per Anhalter fahren, um hinzukommen. Das dauert je nach Freundlichkeit der Fahrer und Verkehrsaufkommen auch seine Zeit, was sogar an meinem dritten Tag dazu gefuehrt hat, dass ich ueberraschenderweise dort uebernachten musste. Immerhin kam mich kurz der Scheich des naheliegenden Dorfes besuchen, ist aber sofort wieder gegangen als er bemerkte, dass ich keinen Tee hatte und kein Arabisch spreche. Ansonsten hat man dort aber seine absolute Ruhe.

Ich
Ich
Nun passiert hier kein Tag, an dem nichts Besonderes geschieht. So zum Beispiel der Grund, warum ich kaum im Internet war: Vor ein paar Tagen fing die Kiste hier naemlich einen Virus. Also musste man das Teil erst nach Akaba bringen, wo es eigentlich gar keinen Computerspezialisten gibt (der einzig gute Ort fuer Computerangelegenheiten ist Amman). Die Sache war ziemlich wichtig, weil wir alle unsere Reservierungen per E-Mail erledigen und so das Geschaeft darunter leidet, wenn wir keinen Internetzugang haben. Gluecklicherweise liess sich ein Fachmann auftreiben, der den Schaden gestern beheben konnte. Hurra.

Einmal musste ich auch die 15 Kilometer vom Camp ins Dorf laufen, weil ich dringend mein Handy laden wollte und der Jeep morgens schon abgefahren war. Zum Glueck war es ein bewoelkter Tag, was die Temperaturen bei etwa 25 Grad hielt, also perfektes Wanderwetter. Erschwerend kommt aber immer hinzu, dass es sich im Sand recht schwer laufen laesst und einem die Entfernungen in den grossen Weiten hier beim Gucken immer viel kuerzer vorkommen, als sie tatsaechlich sind. Als ich dann auf halben Weg noch bemerkte, dass ich mein Ladegeraet vergessen hatte, war die Freude umso groesser. Die Szenerie um mich herum hat aber alles wieder wettgemacht.

Mehr faellt mir jetzt nicht ein, ist aber auch genug fuer den Moment. Wenn alles gut laeuft, sollte ich ab jetzt wieder im normalen Rhytmus schreiben koennen. Wenn ich da mal nicht zu optimistisch bin...

Bis denne,
Brisko
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